Großeltern und religiöse Erziehung
60 % aller Eltern befürworten - einer repräsentativen Umfrage gemäß - eine religiöse, eine christliche Erziehung ihrer Kinder.
Das erstaunt zunächst einmal angesichts einer Zeit der leeren Kirchen, der Kirchenaustritte und der zunehmenden Finanznot der Kirchen. Nachgefragt ergab sich dann, dass man damit die Suche nach Vermittlung von Werten, von dauerhaften Maßstäben für verantwortliches Handeln meinte. Und dazu ist eine christliche Erziehung sicherlich bestens imstande, hat doch das Abendland, unsere westliche Kultur, dem Christentum - trotz aller historischer Sünden - die wesentliche Wertestruktur der Gesellschaft zu verdanken. Allerdings wird zunehmend ein ersatzloses Schwinden dieser Werte beklagt - daher wohl der oben genannte Wunsch der Eltern.
Unbestritten ist der Wert von solchen Maßstäben für die Erziehung unserer Kinder. Ordnungen und Wertmaßstäbe setzen Grenzen und schaffen dadurch auch Wohlfühlräume, in denen man sich sicher fühlen und bewegen kann.
Wir Älteren, wir Großeltern dürfen uns da zum Wohle unserer Kinder engagieren - sogar dann, wenn die Eltern selbst von Religion und Christentum und Gott nicht viel oder nichts halten. Oft ist eine solche Haltung verbunden mit der Einstellung: "Unser Kind soll später selbst entscheiden, welchen Glauben es annehmen will." Aber entscheiden kann man sich ja nur zwischen solchen Dingen, die man kennt.
Wenn Ihr also nach religiösen Überzeugungen lebt, dann müsst Ihr das Euren Enkeln gegenüber nicht verheimlichen. Das kann keiner verlangen. Lebt Euren Enkeln Eure Überzeugung vor! Aber, und das ist ganz wichtig, tolerant, nur als eine Alternative: "So leben wir, das ist uns wichtig und darin fühlen wir uns wohl. Andere leben anders, haben andere Vorstellungen, vielleicht auch Mama und Papa. Und jeder muss selber wissen, wie er leben will, und jedem muss es möglich sein, sein Leben so zu gestalten, wie er es will, wenn er anderen dadurch nicht schadet." Das könnt Ihr Euren Enkeln - natürlich altersgemäß - schon ab 3 Jahren in aller Liebe deutlich machen. Nur hütet Euch, andere Lebenseinstellungen - und schon gar nicht die der Eltern - negativ oder als falsch zu bewerten. Das gibt mit Sicherheit Ärger!